<Das war der Samstag
Sonntag, 02. Februar
In meinem Schlafsack schlafe ich gut.
Im Laufe der Nacht kommen weitere Polizisten zum Schlafen in das Zimmer.
Ich wache kurz nach 7 auf.
Ab etwa 7:20 Uhr schreibe ich erstmal Tagebuch.
Etwa um 8:30 Uhr werden meine Schreibarbeiten jäh unterbrochen.
Ich soll zum Frühstück ins Büro kommen. Danach geht es direkt weiter.
Ich bekomme wieder eine Escorte!
Entgegen der Abmachung von gestern.
Diese Gegend ist “Not safe”
Davon bin ich “nicht erfreut” Aber ich kann es nur akzeptieren.
Im Büro bekomme ich ein schnelles Frühstück. Paratha und Omelette.sowie Chai.
Dann hab ich 10 Minuten!
Das ist so komplett anders als ich es gewohnt bin! Ich brauche morgens meine Zeit. Jetzt stehe ich unter enormen Druck. Bin gestresst.
Gehe schnell zur Toilette (durch den Stress hab ich wieder Durchfall!)
Mach mich ganz kurz frisch. Zähne putzen fällt aus.
Dann packe ich meine Sachen zusammen. Und wieder aufs Fahrrad.
Die Polizisten warten…
Obwohl ich mich extrem beeile, brauche ich insgesamt etwa 20 Minuten.
Für mich ist das Stress pur!
Ich soll mit Motorrad Polizei Begleitung mit Fahrrad fahren.
Zum Fotos machen ist keine Zeit mehr.
Etwa um 9:30 Uhr fahren wir los.
Es geht direkt bergauf.
Als die Steigung zu steil wird, schiebe ich ein Stück.
Fahre dann noch ein Stück.
Schon nach wenigen Metern kommt wieder eine Steigung.
Beim herunter schalten springt die Kette ab. Bzw rutscht in den Spalt zwischen Ritzel und Hinterrad. Und verklemmt sich dort.
Eigentlich eine Kleinigkeit.
Aber der Officer nimmt das zum Anlass, ein Auto für mich zu organisieren.
Also werde ich mitsamt Fahrrad wieder wie gehabt gefahren.
In jedem Bezirk Fahrzeugwechsel.
Und viel weiter als gedacht.
Keiner kann mir Auskunft geben, wie weit.
Die Kommunikation mit den sehr netten Polizisten wird durch die Sprachbarriere erschwert.
Und jeder sagt was anderes.
Außerdem war (oder ist) der Karakorum Highway in dem Bereich wegen heftigen Schneefall gesperrt.
Und die Umleitung ist über den Motorway. Der ist für Mopeds und Fahrräder nicht erlaubt.
In diesem Fall ist die Polizei Escorte tatsächlich eine gute Hilfe für mich.
Später wechseln wir wieder auf den Highway.
Mir wird zugesichert, die Escorte ist nur noch bis zur nächsten Stadt erforderlich.
Dort geht es nach dem Umstieg aber weiter.
Ich bekomme immer nur die gleiche Antwort bekommen: “This area is not safe”
Insgesamt werde ich135 km gefahren.
Vom Auto aus kann ich sehen, dass der Karakorum Highway fast durchgehend eben ist. Mit nur geringen Steigungen. Eigentlich eher bergab.
In einer wunderschönen Berglandschaft die bestmögliche Strecke zum Fahrrad fahren. Aber ich darf nicht. Aus Sicherheitsgründen. Das macht mich traurig!
Ich werde bis in die Stadt Besham City gefahren.
Ab hier kann ich “alleine” fahren.
Die netten Polizisten bringen mich direkt zu einer Fahrradwerkstatt.
Dort wird die Kette wieder aufgelegt.
(Eigentlich hätte ich das selber machen können. Aber die Polizisten bestehen auf eine Werkstatt)
Dann fahre ich in Polizeibegleitung zu einem Restaurant.
Hier esse ich mit Polizeischutz Mittag.
Fast Food. Es ist mir egal. Meine Nerven liegen blank!
Nach dem Essen sage ich dem Polizisten, dass ich jetzt in das Hotel gegenüber gehe.
Dort über Nacht bleibe, und morgen weiter fahre.
Der Officer ruft seinen Vorgesetzten an. Der sagte, dass ist nicht erlaubt.
Jetzt rege ich mich auf!
Ich mache dem Officer unmissverständlich klar, dass ich keinen Polizeischutz benötige. Und nicht möchte.
Und das ich jetzt in diesem Hotel einchecke.
Er ruft seinen Vorgesetzten erneut an.
Und auf einmal ist alles ganz entspannt möglich.
Die Polizisten begleiten mich noch zum Hotel.
Der Officer handelt sogar einen guten Preis für mich aus.
Die Nacht kostet nur 2500 Rupies.
Dann verabschieden die Polizisten sich.
Damit bin ich jetzt von der Polizei Escorte befreit.
Ich checke ein. Und lasse meine Wäsche waschen.
Ab etwa 14 Uhr entspanne für ich den Rest des Tages in dem schicken und sauberem Hotelzimmer.
Erstmal gehe ich duschen. Das Bad ist sehr sauber. Es gibt heißes Wasser. Und eine funktionierende Dusche.
Das tut gut!
Dann kuschel ich mich in das frisch bezogene Bett. Ich schlafe stumpf ein.
Etwa um 16 Uhr wache ich auf.
Ich beantworte Nachrichten, schreibe einen Facebook post. Und erstelle den Podcast von vorgestern.
Dann schreibe ich Tagebuch.
Als der Eintrag von gestern steht, erstelle ich den Podcast sowie den Blog Beitrag.
Später bringt der Hotel Mitarbeiter mir meine gewaschene und trockene Wäsche. Dieser Service kostet nur 500 Rupies.
Abends bestelle ich Dinner aufs Zimmer. Chicken Chowmin. Es ist sehr lecker und gut gewürzt.
Dann beantworte ich Facebook Kommentare.
Meine Kritik am Sinn der Polizei Escorte stößt bei einigen meiner Freunde auf Unverständnis. Aber das ist dann so.
Ich sage und schreibe ehrlich was ich denke. Und werde mich nicht verbiegen, um anderen zu gefallen.
Eigentlich wollte ich noch den Tagebucheintrag von heute schreiben.
Aber durch die Facebook Kommentare komme ich nicht mehr dazu.
Bis ich dann schlafe, ist es Mitternacht.
Morgen plane ich direkt von hier aus auf dem Karakorum Highway weiter zu fahren. Bis nach Sost sind es nur noch knapp 500 km.
Aber ich rechne damit, dass ich wieder eine Escorte bekomme. Der Hotel Manager wollte genau wissen, wann ich weiter fahre. Und was mein nächstes Ziel ist.
Ich bin gespannt!
Und werde morgen versuchen, das Beste draus zu machen.
Das ist mein heutiger Facebook post:
Grundsätzlich ist angebotene Sicherheit sehr gut und richtig.
So lange es nicht übertrieben wird.
Die Polizeibeamten sind super nett und hilfsbereit.
Polizeibegleitung hat durchaus Vorteile.
Die Beamten kümmern sich um alles.
Aber:
Die Polizei Escorte setzt mich immens unter Druck.
Ich bin nicht frei. Kann mich nicht frei bewegen.
Muss jedes Vorhaben mit der Polizei absprechen.
Stehe ständig unter Beobachtung.
Kann nicht mal eben anhalten. Pause machen, wann und wo ich will.
Vor allem kann ich nicht übernachten wo ich will. Wild campen ist komplett ausgeschlossen. “This is not safe!”
Übernachten an einer Tankstelle ist nicht möglich. “Not safe” obwohl in Pakistan jede Tankstelle Security hat.
Hab so gut wie keinen Kontakt zu den Menschen auf der Straße.
Das ist nicht die Art von Reisen wie ich es mir vorstelle. Und gewöhnt bin.
Es ist komplett anders!
Lieber bezahle ich für eine Busfahrt, als gratis von der Polizei gefahren zu werden.
Lieber bezahle ich für Hotelübernachtungen als gratis in einer Polizei Station zu übernachten.
Am meisten stört mich die Aussage “ This is not safe”
Ich reise seit über 4 Jahren durch die Welt. War insgesamt in über 20 Ländern.
Hab schon überall übernachtet. In Parks im Gebüsch, mitten im Wald, in den Bergen, am Meer, völlig abseits der Zivilisation in der Natur, in Großstädten auf der Straße oder im Bahnhof…
Ich kann durchaus behaupten, dass ich sehr viel Lebenserfahrung habe.
Wie oft hab ich den Satz “This is not safe” schon gehört.
Ob in der Türkei am Strand, oder hier in Pakistan neben der GT Road.
Mittlerweile kann ich darüber nur noch lachen!
Police escort
Sunday, 02 February
I sleep well in my sleeping bag.
During the night, more police officers come into the room to sleep.
I wake up shortly after 7am.
I start writing in my diary at around 7.20am.
My writing is interrupted abruptly at around 8.30am.
I'm told to come to the office for breakfast. Then it continues straight away.
I get an escort again!
Contrary to yesterday's agreement.
This area is "not safe"
and I'm "not happy" about it, but I can only accept it.
I get a quick breakfast at the office. Paratha and omelette and chai.
Then I have 10 minutes!
It's so completely different from what I'm used to! I need my time in the morning. Now I'm under enormous pressure. I'm stressed.
I go to the toilet quickly (the stress has given me diarrhoea again!)
I freshen up very quickly. No need to brush my teeth.
Then I pack up my things. And back on the bike.
The policemen are waiting...
Although I'm in an extreme hurry, it takes me about 20 minutes in total.
This is pure stress for me!
I'm supposed to ride with a motorbike police escort.
There's no time to take photos.
We set off at around 9.30am.
It goes straight uphill.
When the gradient gets too steep, I push a bit.
Then I cycle a little further.
After just a few metres there is another climb.
The chain jumps off when I shift down. Or slips into the gap between the sprocket and the rear wheel. And gets stuck there.
A minor issue, really.
But the officer takes this as an opportunity to organise a car for me.
So I and my bike are driven again as usual.
Change of vehicle in every district.
And much further than expected.
Nobody can tell me how far.
Communication with the very nice police officers is made more difficult by the language barrier.
And everyone says something different.
In addition, the Karakorum Highway was (or is) closed in this area due to heavy snowfall.
And the diversion is via the motorway. This is not permitted for mopeds and bicycles.
In this case, the police escort is actually a good help for me.
Later, we switch back to the motorway.
I am assured that the escort is only required as far as the next town.
But after the change, the journey continues.
I always get the same answer: "This area is not safe"
I am driven a total of 135 kilometres.
From the car, I can see that the Karakorum Highway is almost completely flat. With only slight inclines. Actually more downhill.
The best possible route for cycling in a beautiful mountain landscape. But I'm not allowed to. For safety reasons. That makes me sad!
I am driven to the town of Besham City.
From here I can cycle "alone".
The nice policemen take me straight to a bike repair shop.
There they put the chain back on.
(Actually, I could have done it myself. But the police insist on a workshop)
Then I cycle to a restaurant accompanied by the police.
Here I eat lunch with police protection.
Fast food. I don't care. My nerves are on edge!
After lunch, I tell the policeman that I'm going to the hotel opposite.
I'll stay there overnight and continue my journey tomorrow.
The officer calls his superior. He says that's not allowed.
Now I'm getting upset!
I make it very clear to the officer that I don't need police protection. And don't want it.
And that I'm checking into this hotel now.
He calls his superior again.
And suddenly everything is completely relaxed.
The police officers accompany me to the hotel.
The officer even negotiates a good price for me.
The night costs only 2500 rupees.
Then the policemen say goodbye.
I am now free of the police escort.
I check in. And have my laundry done.
I relax for the rest of the day in the smart and clean hotel room from around 2 pm.
First I take a shower. The bathroom is very clean. There is hot water. And a working shower.
That feels good!
Then I snuggle up in the freshly made bed. I drift off to sleep.
I wake up at around 4 pm.
I answer messages, write a Facebook post. And create the podcast from the day before yesterday.
Then I write in my diary.
When yesterday's entry is finished, I create the podcast and the blog post.
Later, the hotel employee brings me my washed and dried laundry. This service only costs 500 rupees.
In the evening I order dinner to my room. Chicken chowmin. It's very tasty and well flavoured.
Then I answer Facebook comments.
My criticism of the police escort service is met with incomprehension from some of my friends. But that's the way it is.
I say and write honestly what I think. And I won't bend myself to please others.
I actually wanted to write today's diary entry.
But I won't get round to it because of the Facebook comments.
It will be midnight by the time I sleep.
Tomorrow I plan to continue straight from here on the Karakoram Highway. It's only just under 500 kilometres to Sost.
But I reckon I'll get an escort again. The hotel manager wanted to know exactly when I was travelling on. And what my next destination is.
I'm curious!
And I'll try to make the best of it tomorrow.
This is my Facebook post today:
In principle, the security offered is very good and right.
As long as it's not overdone.
The police officers are super nice and helpful.
Police escorts definitely have advantages.
The officers take care of everything.
But:
The police escort puts me under a lot of pressure.
I am not free. I can't move around freely.
I have to agree every plan with the police.
I'm constantly under surveillance.
Can't just pull over. Take a break when and where I want.
Above all, I can't spend the night wherever I want. Wild camping is completely out of the question. "This is not safe!"
Spending the night at a petrol station is not possible. "Not safe" although every petrol station in Pakistan has security.
I have virtually no contact with people on the street.
This is not the kind of travelling I imagine. And am used to.
It's completely different!
I'd rather pay for a bus journey than be driven for free by the police.
I'd rather pay for hotel accommodation than spend the night in a police station for free.
What bothers me most is the statement "This is not safe"
I have been travelling the world for over 4 years. I've been to over 20 countries in total.
I've stayed overnight everywhere. In parks in the bushes, in the middle of the forest, in the mountains, by the sea, completely away from civilisation in nature, in big cities on the street or in the train station...
I can definitely say that I have a lot of life experience.
How often have I heard the phrase "This is not safe"?
Whether on the beach in Turkey or here in Pakistan next to GT Road.
In the meantime, I can only laugh about it!
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